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Reformationsstadt St.Gallen: Breites Angebot zum 500-Jahr-Jubiläum
Die Stadt St.Gallen trägt zum 500-jährigen Reformationsjubiläum das Label «Reformationsstadt Europas» der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen Europas (GEKE). Das Jubiläumsjahr startet am 5. November 2017 und bietet ein reichhaltiges Angebot für die ganze Bevölkerung.
Die Reformationsstadt St.Gallen begeht das Jubiläumsjahr gemeinsam und gleichzeitig mit demjenigen der Evangelisch-reformierten Kantonalkirche. Am Reformationssonntag, dem 5. November 2017, erfolgt der offizielle Auftakt. Diverse Veranstaltungen, Vortragsreihen und Ausstellungen sind bereits in Planung. Koordiniert werden die Angebote durch die Gesamtprojektleitung der Reformationsstadt St.Gallen unter dem Vorsitz von Stadtpräsident Thomas Scheitlin und deren Geschäftsstelle. «Zahlreiche Institutionen beteiligen sich mit grossem Engagement an der Realisierung des Jubiläums in der Stadt: Stadt St.Gallen und Ortsbürgergemeinde, Museen und Archive in der Stadt, St.Gallen-Bodensee Tourismus, Religionsgemeinschaften, Gewerbe und Gastronomie sowie Fachhochschule und Universität St.Gallen», freut sich Michaela Silvestri, Leiterin der Geschäftsstelle.   
Bedeutung der Reformation sichtbar machen
Die Angebote zu den Feierlichkeiten sollen die Bedeutung der Reformation als geschichtsbildende Kraft für Stadt und Region deutlich machen, jedoch über die reine Wissensvermittlung hinausgehen, erklärt Thomas Scheitlin: «Die Reformationsstadt St.Gallen will sinnliche Erlebnisse schaffen, Neugier wecken und so das Grundwissen der Allgemeinheit über die Reformation vergrössern.» Nicht nur die städtischen reformierten Kirchgemeinden, auch weitere Religionsgemeinschaften wirken mit. So soll die Stadt St.Gallen in ihrer Vielfalt erlebbar werden. «Den inhaltlichen roten Faden bilden Joachim von Watt, genannt Vadian, sein Tun und seine Lehre sowie die Reformation und ihre Bedeutung für die Stadt», ergänzt Stadtarchivar Stefan Sonderegger von der Ortsbürgergemeinde St.Gallen, Mitglied der Gesamtprojektleitung.
Fünf Themenfelder – breites Angebot
Den Zielen entsprechend, bietet das Jubiläum Angebote in fünf Themenfeldern. Im Themenfeld «Gesellschaft und Politik» machen zum Beispiel der Auftakt am Sonntag, 5. November 2017, oder «Gastereien und Handwerk» am Samstag, 26. Mai 2018, im Stadtzentrum die Reformation für die Bevölkerung erlebbar. Das Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde der Stadt St.Gallen stellt neu aufbereitete Materialien für Schulen und Interessierte online zum Download bereit. Stadtarchiv, FHS St.Gallen und Universität St.Gallen präsentieren und realisieren sowohl individuell als auch in Kooperation mit der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen mehrere Vortragsreihen und Publikationen und füllen so die Themenfelder «Geschichte» und «Wissenschaft» mit Inhalt. Die Universität St.Gallen präsentiert eine Vadian-Reihe in der Vadiana, welche die Person Vadian in seiner ganzen Vielseitigkeit abbildet und thematisiert. An der FHS St.Gallen findet bereits im ersten Halbjahr 2017 eine öffentliche Vortragsreihe mit monatlichen Beiträgen statt unter dem Titel «Reformation und Ethik. Ihr Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung».
Die städtischen reformierten Kirchgemeinden bieten im Themenfeld «Religion und Kirche» eine Vielzahl an Veranstaltungen. «Last but not least» fasst das Feld «Kunst, Kultur und Architektur» drei Ausstellungen im Historischen und Völkerkundemuseum (HVMSG), der Stadtarchive von Stadt und Ortsbürgergemeinde im Stadthaus und der städtischen Denkmalpflege im Rathaus thematisch zusammen, welche die Reformation und ihre geschichtsbildende Kraft aus drei unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.
Eine von zehn Reformationsstädten
St.Gallen trägt wie zehn andere wichtige Orte der Reformation in der Schweiz den Titel «Reformationsstadt». Ein erstes attraktives Angebot zur Einstimmung bildet seit Juni 2016 der Reformationsweg in der Innenstadt, den die Stadtarchive von Stadt und Ortsbürgergemeinde in Zusammenarbeit mit der Vadianischen Sammlung der Ortsbürgergemeinde St.Gallen geschaffen haben. Der Weg führt die Besuchenden zu zehn für die Zeit der Reformation wichtigen Stationen in der Stadt. Begleitend dazu sind bei St.Gallen-Bodensee Tourismus und bei den genannten Institutionen eine ausführliche Gratis-Broschüre mit Informationen zu den einzelnen Stationen und ein Faltplan erhältlich. Bei St.Gallen-Bodensee Tourismus können zudem geführte Rundgänge gebucht werden («Orte der Reformation»).
Veranstaltungskalender und Festführer
Sämtliche Veranstaltungen und Angebote zum Jubiläum in Stadt und Kanton werden nach und nach im Veranstaltungskalender der Evangangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen auf www.ref500-sg.ch aufgeführt. Zudem wird die Evangelisch-reformierte Kantonalkirche Anfang September einen gedruckten Festführer zum Jubiläumsjahr publizieren.
Drei Ausstellungen – zwei Publikationen – vier Vernissagen
Das Historische und Völkerkundemuseum (HVMSG) verdeutlicht in zwei Ausstellungssälen, so genannten «Period Rooms», das Spannungsfeld in der Reformationszeit. Im Rathaussaal Vadian wird seine Zeit thematisiert, der danebenliegende Opsersaal wird der Sakralkunst, der Heiligenverehrung und dem Bildersturm im Kloster St.Gallen gewidmet. Zudem hat das HVMSG ein Filmprojekt zu Vadian in Auftrag gegeben, das sich vor allem an ein jüngeres Publikum wendet. Der Dokumentarfilm soll zusammen mit einer Lichtinszenierung auch als Kunstinstallation wahrgenommen werden.
Zeitgleich realisieren die Stadtarchive der Stadt und der Ortsbürgergemeinde sowie die Vadianische Sammlung der Ortsbürgergemeinde gemeinsam im Stadthaus eine Ausstellung zu Vadian und St.Gallen in der Reformationszeit, und die städtische Denkmalpflege bietet im Rathaus eine Ausstellung an zu den «Bauten der Reformation und deren Auswirkungen auf das Stadtbild».  Alle drei Ausstellungen im HVMSG, im Stadthaus und im Rathaus werden am Samstag, 28. Oktober 2017, im Rahmen einer gemeinsamen Vernissage eröffnet. Gleichentags finden zudem die Vernissagen des ersten von zwei Neujahrsblättern des Historischen Vereins des Kantons St.Gallen zum Thema und einer neuen Vadian-Biografie statt, die Rudolf Gamper im Auftrag der Gesellschaft Pro Vadiana auflegt. Die Reformationsstadt St.Gallen koordiniert die Veranstaltungen.
«Lesinen» oder wie man damals die Bibel las
Angelehnt an die Bibellesungen von Johannes Kessler, inszeniert das Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde der Stadt St.Gallen unter der Leitung von Stefan Sonderegger im Februar 2018 sogenannte «Lesinen» und interpretiert diese theologisch, szenisch und historisch. Auch die Reihe «Stadtgeschichte im Stadthaus» des Stadtarchivs der Ortsbürgergemeinde widmet ihr Programm im Herbst 2017 der Reformation. Sie gibt unter anderem «Einblicke in die Reformation», beleuchtet «Die Ostschweiz um 1500 im internationalen Rahmen» und berichtet über das städtische Ablasswesen.
Überraschende Prägungen unseres Alltags
Einen etwas anderen Blick auf die Reformation wirft das Projekt «Zum Beispiel». Es lässt Religion und Konfessionszugehörigkeit aussen vor und fragt konkret nach, was die Reformation bzw. die protestantische Welt in der Gesellschaft ausgelöst hat, was wir heute als selbstverständlich erachten. Es will mit Hintergründen zu unbekannten Zusammenhängen überraschen und ermöglicht so einen frischen Blick auf 500 Jahre Geschichte. Es greift in der Reformationszeit entstandene, heute alltägliche gewordene Begriffe wie «Geburtstag» oder «Zivilcourage» auf und macht den geschichtlichen Zusammenhang deutlich. Herzstück des Projekts sind Plakate als Ausstellungsobjekte. Damit bespielen die Projektinitianten – die Agentur Alltag in Zusammenarbeit mit dem Historiker Peter Müller und dem Theologen Daniel Klingenberg – den öffentlichen Raum in der Stadt St.Gallen. Das Projekt wird von der Reformationsstadt St.Gallen und der Evangelisch-reformierten Kantonalkirche finanziell unterstützt und ermöglicht.
Auskünfte: Thomas Scheitlin, Stadtpräsident, Gesamtprojektleitung Reformationsstadt St.Gallen, Tel. 071 224 53 20 www.reformationsstadt.ch